Harley Davidson übernimmt MV Agusta
Harley-Davidson kauft den italienischen Motorradhersteller MV Agusta. Wie das
US-Unternehmen mitteilte, sei eine entsprechende Vereinbarung am Freitag
unterzeichnet worden. Harley-Davidson will durch die Übernahme seine Präsenz in
Europa weiter ausbauen.
Den Kaupreis bezifferte der Motorradbauer auf 70 Millionen Euro inklusive der
Bankschulden des italienischen Unternehmens in Höhe von 45 Millionen Euro. Die
Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt einer Genehmigung der zuständigen
Behörden.
MV Agusta stellt neben Edel-Bikes unter der Marke Cagiva auch
Leichtmotorräder her. Das Unternehmen verkaufte im vergangenen Jahr 5.800
Zweiräder. Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten musste der Motorradbauer die
Produktion 2008 drastisch zurückfahren.
Harley-Davidson kündigte an, die Produktion schnellstmöglich wieder
aufzunehmen und ein neues Führungsteam mit einem neuen Geschäftsführer
aufzustellen. Der derzeitige Präsident von MV Agusta, Claudio Castiglioni, soll
seine Position behalten. Der Familie Castiglioni gehörten bisher 95 Prozent an
dem Unternehmen.
Die MV Agusta-Gruppe befindet sich in Familienhand. Die
traditonsreiche Marke war 1992 von Claudio Castiglioni wiederbelebt worden, um
Hochleistungsmotorräder zu bauen. Zum Konzern gehört außerdem die Marke Cagiva,
deren Bedeutung in den vergangenen Jahren ebenfalls weiter zurückgegangen
ist.
Castiglioni hatte Mitte der achtziger Jahren auch den
schwedischen Hersteller Husqvarna seinem Firmenimperium hinzugefügt. Im Oktober
2007 verkaufte er die Marke an BMW.
Strategisch würde die italo-amerikanische Hochzeit durchaus Sinn machen.
Harley-Davidson würde durch MV Agusta - bekannt für Modelle wie F4 und Brutale -
sein Image bei jüngeren, sportlicher orientierten Fahrern aufpolieren. Der
Versuch vor einem Jahr, zu diesem Zwecke Ducati zu akquirieren, scheiterte.
Fremd sind sich die Premium-Spezialisten von MV Agusta und die amerikanischen
Bigbiker ohnehin nicht: Am heutigen Sitz von MV im norditalienischen Varese
stand bis 1978 das Aermacchi-Werk, das in den Siebziger Jahre Harley-Davidson
gehörte. Die Amis verkauften die Anlage bald wieder an die Castiglioni-Brüder,
die dort Cagiva gründeten und MV Agusta wieder Leben einhauchten.
Während MV Agusta das Harley-Image aufpolieren könnte, soll der Umsatz
zukünftig aus Taiwan kommen. Neben Indonesien war Taiwan eines der letzten
Länder in Asien, das die Einfuhr von hubraumstarken Motorrädern bisher offiziell
untersagt hatte. Das Verbot wurde 2007 aufgehoben; vergangenen Monat wurde in
Taipei ein Flagship Store eröffnet.
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